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Markus Hahn superpositionszustand
30.Mai - 8.Juni 2008

Vielleicht wäre es nur ein Gag, das Haus von Patsy und Chris Dangelmayr (wahrscheinlich Deutsche) in Muenster (Texas) zu kaufen und es nach Münster (Westfalen) zu transportieren, um es hier wieder aufzustellen. Custom House Ready for Move In... heißt es im Internet.
Der Wert von Kunst entsteht bekanntlich nicht durch das Materielle, sondern durch das, was das Material transportiert. Pathetisch gesprochen: Es kommt auf das Geistige im Objekt an. Was wäre das für ein Ort im Haus von Patsy und Chris Dangelmayr, wenn es hier in Münster (Westfalen) aufgestellt werden würde? Es wäre real gewordene Science Fiction. Es wäre der Sprung in eine andere Parallelwelt. Muenster (Texas) heißt höchstwahrscheinlich Muenster, weil es üblich war, amerikanische Städte nach europäischen Städten zu benennen. Münsters Öffentlichkeit würde versuchen, in Dangelmayrs Privatheit zu tauchen. Münsters Aufmerksamkeit würde in etwas eindringen, das es eigentlich nicht mehr gibt, sie würden ihre eigene Gegenwart zerstören müssen, um an Markus Hahns Raumfaltung teilhaben zu können. Patsy und Chris Dangelmayrs Haus wäre nämlich kein Gag, es wäre ein Ort, der die Konstruktion von einem Münster in Westfalen auslöschen müsste, um selbst existieren zu können. Man würde endlich schluss machen mit der Geschichte und Ortlosigkeit als die einzige Wahrheit begreifen können. Denn Münster in Westfalen ist natürlich nur eine Konstruktion, in die wir hinein erzogen worden sind.Doch es geht nicht um Münster. Markus Hahns Realitätsschneisen gehen nach links und rechts, nach hinten und vorne, nach oben und unten. Manchmal gibt er uns die Illusion eines Zustandes. Manchmal stehen wir auf einer super Position und brauchen nur geradeaus zu schauen. Für einen Tag sind wir im Superpositionszustand, der uns Eurozentriker mal kurz den Luxus erlaubt zu begreifen, dass wir uns eigentlich immer nur mit Gags beschäftigen. Dass wir eigentlich ständig über uns selbst lachen müssten, dass wir uns eigentlich nur auslachen können. Hahn glaubt, dass wir uns vom post-konzeptuellen Schleudertrauma erholen können. In dieser Hinsicht ist er ein Idealist.
Markus Hahn meint: „Das Museum ist ein Ort, an dem wir uns unserer selbst vergewissern.“ Er meint auch, dass wir uns heute überall unserer selbst vergewissern wollen. Er macht keinen Unterschied zwischen einem Museum und einem Studio, wo Wellnesskurse stattfinden. Hahn glaubt nicht an den beständigen Ort. Logischerweise ist der Transport des Hauses von Chris und Patsy Dangelmayr die Auslöschung eines privaten Raumes. Das Haus würde aus seiner Kontextklammer gelöst werden und wir Eurozentriker würden ihn für uns neu erschaffen. Das Haus als Ort hat das Leben der Dangelmayrs aufgenommen, und vielleicht würde Hahn gerne die reset-Taste betätigen, damit wieder Platz auf dem Datenträger ist und wir die Geschichte der Dangelmayrs nacherzählen können. Denn wir werden nicht unser schönes Münster in Westfalen auslöschen.Aber das Haus der Dangelmayrs ist nicht hier und wir befinden uns im Club69. Markus Hahns Superpositionszustand ist eine ungewollte Skizze, ist sein Wunsch nach einem formlosen Ort und der Wunsch danach, dass wir auf Ewigkeit die Luft anhalten können. - Marcel Hiller